Tückische Falschaussagen

Cannabis Fakenews

Matthias Jung ist, laut Wikipedia, 1964 in Heidelberg geboren und hat sein Studium der Biologie mit einer Diplomarbeit über die Reptilienfauna Madagaskars abgeschlossen. Er ist derzeit der leitende Redakteur  des Ressorts „Natur und  Wissenschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. In dieser Funktion hat er in den letzten Jahren des Öfteren über die angeblichen Gefahren von Cannabis (Hanf) berichtet; so ist er auch einer der wenigen Wissenschaftler, die Cannabis immer noch als Einstiegsdroge betiteln und dabei ignorieren, dass dies längst widerlegt werden konnte; Cannabis taugt als Einstiegsdroge so viel wie Zucker, Schokolade oder Alkohol. Der Unterschied: Beim Wunsch nach Cannabis werden die Konsumenten seit Jahrzehnten gezwungen, selbiges vom Schwarzmarkt, somit in einem kriminellen Milieu, und nicht im Supermarkt zu beziehen. Genau dieser kriminelle Erstkontakt zu einem illegalen Markt kann durch eine Legalisierung von Cannabis, zum Beispiel nach dem kanadischen Modell, hinfällig werden.

Herr Jung ist sich nicht zu schade, ganz im Sinne das Parteitons der CDU, Halbwissen an der Grenze zur Lüge öffentlich zu machen, indem er solch glorreiche Sätze auf den Bildschirm bringt wie dieses Zitat der Psychiaterin Ursula Havemann-Reincke: „Eine Legalisierung von Cannabis wird mit hoher Wahrscheinlichkeit den Konsum von Cannabis in Heranwachsenden in Deutschland erhöhen. Diesen Zusammenhang zeigen hochkarätige Publikationen. Die beste Prävention für unsere Jugendlichen hinsichtlich Cannabiskonsums ist, die Cannabisverfügbarkeit gering zu halten, also keine Legalisierung voran zu treiben.“ Seltsam nur, dass diejenigen hochkarätigen Fachleute, die für eine Relegalisierung der alten Heil-, Rausch-, Nahrungs- und Faserpflanze eintreten, selbige gerade zum Schutz der Jugend befürworten – hat es diese aktuell doch oft deutlich leichter, auf dem Schwarzmarkt an Cannabis zu kommen, als im Supermarkt an Alkohol oder Zigaretten. Es ist in informierten Kreisen keine Neuigkeit, dass der Versuch, die Jugend durch Prohibition zu schützen, mehr als gescheitert ist. Das einzige, was die Prohibition seit Jahren erfolgreich verhindert, ist die Chance, Heranwachsende ehrlich und sachgerecht über einen verantwortungsvollen Konsum von Rauschdrogen (wie z.B. Cannabis) und Rauschgiften (wie z.B. Alkohol) aufzuklären.

Quelle Zitat: https://www.faz.net/aktuell/wissen/medizin-ernaehrung/cannabis-konsum-schon-der-erste-joint-kann-schaden-15989916-p2.html

Wer dann, wie Herr Jung in einem anderen Artikel, auch noch den Fachleuten vom Deutschen Hanfverband vorwirft, ein ganz böser Verein von Lobbyisten zu sein, die in Cannabisrauch geschwängerten Hinterzimmern quasi den Untergang der deutschen Pharmaindustrie und der Ärzteschaft planen, dem ist anscheinend nicht bewusst, dass er durch seine Schreiberei nicht nur ganz nebenbei eine wirksame, nebenwirkungsarme und günstige Naturmedizin und die Menschen, die sich für deren rechtmäßige und faktische Verfügbarkeit einsetzen, verunglimpft. Schlimmer noch, die Verbreitung solcher ideologisch gefärbten Halbwahrheiten führt dazu, dass unter anderen Epileptiker, Spastiker oder Menschen, die an Einschlafschwierigkeiten oder einfach nur Stress leiden, weiterhin als Menschen zweiter Klasse, nämlich asoziale und kriminelle Kiffer, abgestempelt werden, anstatt sie als das zu sehen, was sie sind: Menschen, die nach alternativen Lösungen für die Behandlung gesundheitlicher Probleme suchen und mit Hanf für sich diese Möglichkeit bereits gefunden haben. Und ja, natürlich sind es womöglich dieselben (gesundheits-)bewussten Menschen, die zur Entspannung und alltäglichen Erholung aufgrund ihrer freien, aufgeklärten Entscheidung eine rein pflanzliche, ihnen gut verträgliche Rauschdroge einem nicht nur gesundheits-, sondern auch oft genug sozial schädlichen Rausch-Zellgift wie Alkohol vorziehen.

Quelle Artikel: https://www.faz.net/aktuell/wissen/cannabis-als-medizin-noteinweisungen-und-psychosen-nehmen-zu-16108114.html

Herr Jung beherrscht es wie kein Zweiter, in seinen Berichten das seit Jahrhunderten bekannte Heilkraut Hanf als gefährlich und die Hanflegalisierer als skrupellose Lobbyisten hinzustellen, die über Kinderleichen gehen und gefährliche Drogen am liebsten auf Spielplätzen verteilen lassen würden. Leider hat er, im Gegensatz zu einem glücklicher Weise größer werdenden Teil unserer Jugend, wohl noch nicht kapiert, das zu viel Bier und Kippen dumm und überhaupt erst krank machen, und dass es mit Hanf eine Droge (Droge hier in der ursprünglichen Bedeutung  „getrocknete Pflanzen oder Kräuter“) gibt, die das nicht macht, außer man gehört zu den 2 bis 4 Prozent der Bevölkerung, die aufgrund von genetischen Voraussetzungen kein Cannabis konsumieren sollten. Er sollte sich einmal mit Jugendlichen darüber unterhalten, wie sie es finden, aufgrund der auf einseitigen oder gar falschen „Erkenntnissen“ und  Behauptungen basierenden, heuchlerischen „Drogen“-Politik alkoholkonsumierender Erwachsener kriminalisiert zu werden. Denn diese Jugendlichen sind es, die in Therapiezentren eingeliefert werden, weil ein Richter sie vor die Wahl stellt, in den Knast zu gehen, oder eine Therapie zu machen. Lächerlich – hätte man diese Jugendlichen nicht wegen einer harmlosen Heil- und Rauschpflanze kriminalisiert, wären sie womöglich in ihrem Leben nie Therapie-Kandidaten oder strafrechtlich auffällig geworden. Aber in Herrn Jungs Filterblase scheint dies keine Rolle zu spielen, da wird auch nicht wirklich nachgefragt, ob bei den angeblichen ambulanten Krankenhausaufnahmen wegen Folgen von Cannabiskonsum nicht auch Mischkonsum mit legalem Alkohol, Tabak oder diversen verfügbaren, legalen oder illegalen chemischen Substanzen im Spiel gewesen sein könnte, oder wie schwerwiegend die behandelten Symptome vergleichsweise waren (zum Beispiel im Vergleich zu reinen Alkoholvergiftungen, bei denen häufig eine ambulante Behandlung nicht mehr ausreicht). Hatte Herr Jung schon einmal einen „Tabakflash“ beim Bongrauchen und hatte er danach womöglich Kreislaufprobleme, eine Panikattacke, oder, wegen zu viel zusätzlich konsumierten Bier, erbrochen? Vielleicht kann tatsächlich eine unaufgeklärte, unangenehme Cannabiskonsum-Erfahrung in der eigenen Vergangenheit zu einer überzogenen, ideologisch verbrämten Haltung führen – woher sonst wissen oft ausgerechnet eingefleischte Cannabisgegner wie Herr Jung ach so genau, wie furchtbar und gefährlich das „Teufelskraut“ ist?

Es wäre wirklich an der Zeit für Matthias Jung und für andere seiner Zunft, zu überlegen, ob sie in 10 Jahren wirklich noch einen ihrer unsachgerechten, tendenziösen, schlecht recherchierten Artikel im Netz wieder finden möchten – denn Fakenews leben ja bekanntlich länger.

Die Erben der Angst

wie posttraumatische Belastungsstörungen mit Cannabis gelindert werden können – wie der Krieg im Kopf ein Ende findet

von Christoph Rossner

Krieg nährt den Krieg

Zu dieser Erkenntnis waren in den 20er und 30er Jahren des 17. Jahrhunderts pfiffige deutsche Staatsmänner, Glaubensfürsten, Handelshäuser und Banken gekommen und infolge dessen war der Dreißigjährige Krieg, wie er bei uns genannt wird, der Auslöser für die bis heute rotierende Spirale aus Profit, Glauben und Gewalt. Der Zug der apokalyptischen Reiter war nicht mehr aufzuhalten und wie immer finden wir schon in dieser Geschichte genug  Hinweise auf die Folgen der Verheerungen, die von ihm ausgingen. Der erste und zweite dieser Reiter bringen den Krieg und die direkte Zerstörung, durch Pferde, Pfeile und Schwerter, der dritte dieser antiken Reiter bringt den Zins und den Wucher nach dem Krieg, mit dem die Unterworfenen von den siegreichen Herren belegt wurden. Doch der vierte und letzte dieser historischen Figuren bringt und verkörpert das, was von einem Krieg übrigbleibt und Generationen die Angst in den Kopf geprügelt hat: Furcht, Krankheit, Niedergang und Tod. Diese Vorstellung von Krieg und todbringenden Reitern ist die Blaupause, der Ursprung einer Darstellung, wie eine posttraumatische Belastungsstörung ausgelöst werden kann. Dieses Thema ist so alt wie der Krieg unter den Menschen selbst. Die Urangst, die wenn sie ausgebrochen ist, uns körperlich und seelisch lähmt, quält und auffrisst.

Angst ist vererbbar

Unsere Großväter und Großmütter, unsere Urgroßväter und auch unsere Urgroßmütter, haben in zwei dicht aufeinanderfolgenden Weltkriegen diese Urangst am eigenen Leib erfahren müssen. Die Auswirkungen dieser Kriege haben wir Kinder, Enkelinnen und Urenkelinnen als genetische Erinnerung, als ein Erbe mitbekommen. Prof. Dr. Jacek Debiec von der Universität von Michigan http://www.mbni.med.umich.edu/mbni/faculty/debiec/debiec.html   

hat mit seiner Arbeit bewiesen, dass Ängste von Müttern genetisch auf das ungeborene Kind übertragen werden können. Diese Meinung teilt auch die Psychiaterin Dr. Ulrike Schmidt vom Max-Planck-Institut für Psychiatrie.  https://www.deutschlandfunk.de/traumavererbung-rattenmuetter-uebertragen-angst-auf.676.de.html?dram:article_id=293041

Aber was hat das mit Cannabis zu tun?

Postraumatische Belastungsstörungen (PTBS) sind psychische Erkrankungen und können durch ein- oder mehrere katastrophale Sonderfälle oder Ereignisse ausgelöst werden. Es reicht womöglich aus, wenn man Zeuge einer schrecklichen Situation wird, oder enge Angehörige in eine solche verwickelt werden. Die in der Folge auftretenden Symptome wie Angstzustände, Depressionen oder Spasmen sind oft schwer heilbar und führen häufig zu chronischen psychosomatischen Erkrankungen. Gerade Menschen, die sich in einer für sie oder andere direkt lebensbedrohlichen Situation befunden haben, finden oft nur sehr schwer einen Weg zurück in die Normalität des Lebens – Cannabisblüten oder Extrakte sind hier für viele Menschen die einzige Möglichkeit, einen Ausweg aus der PTBS zu finden.

Michael Krawitz von der Vereinigung  Veterans for Medical Cannabis Access (VMCA) http://www.veteransformedicalmarijuana.org/content/about-vmma

setzt sich schon seit 1997 dafür ein, dass Cannabis als Medizin für alle Menschen möglich wird, war maßgeblich an der Legalisierung von Medizinalhanf in Virginia/USA beteiligt und hat vor der UN und der WHO die Rechte der Cannabispatienten vertreten. Er kennt viele Menschen, die eine PTBS erfolgreich mit Hilfe von Cannabisblüten behandeln und ermöglichte ein Interview mit Aaron Augustis, dem Präsident und Gründer von  VMCA.

Interview mit Aaron Augustis – Gründer der Veterans for Medical Cannabis Access:

1. Wie ist Ihr Name und wie alt sind Sie?

Aaron Augustis, 38 Jahre alt.

Gründer – Veteranen Cannabis Gruppe

www.veteranscannabisgroup.com

2. Wie ist Ihre PTBS-Krankheit entstanden, was hat sie ausgelöst?

Ich wurde während meines Dienstes in der US-Armee 2003 für sieben Monate nach Mosul/Irak für die Operation Iraqi Freedom entsandt.

3. Wie und mit welchen Symptomen manifestiert sich die Krankheit in Ihnen?

Angst, Hyper-Alarm, leicht ausgelöst durch Kriegsnachrichten. Ich kann eine sehr extreme Person sein und habe eine höhere Risikotoleranz, als die meisten anderen. Dies liegt an dem, was ich erlebt habe und wie ich, mental, auf meinen realen Lebenssituationen im Irak und während meines Militärdienstes vorbereitet wurde. Die meisten Menschen wurden nicht dafür trainiert oder haben sich nie in den Geisteszustand versetzen müssen, dass man sie tötet  oder dass man bereit sein muss jemanden anderen zu töten, wenn man angegriffen wird. 

4. Welche Medikamente hatten Sie vor der Cannabistherapie genommen?

keine

5. Welche Nebenwirkungen hatten diese Medikamente?

n/a

6. Wie lange hatten Sie PTBS, bevor Sie Cannabis als Medikament entdeckt haben?

Ich komme aus Nord-CA (Nord-Kalifornien) und als ich ehrenhaft aus dem Militär entlassen wurde, zog ich nach Hause zurück. Da ich von Nord-CA komme, hatte ich sofort Zugang zu hochwertigem medizinischem Cannabis und begann es sofort zu verwenden. Ich war immer privat Patient, bis acht Jahre nachdem ich entlassen wurde, aber nur weil der Veteran Service Officer meines Bezirks mich ermutigte, einen Anspruch für PTBS bei der Krankenkasse einzureichen.

7. Wurde Ihnen Cannabis von einem Arzt verschrieben oder haben Sie es selbst ausprobiert?

Ich habe es selbst ausprobiert und erst dann konnte ich schließlich eine Empfehlung bzw. Rezept für einen besseren Zugang beantragen, um mich  vor der Strafverfolgung  zu schützen.

8. Wie lange nehmen Sie schon Cannabis gegen PTBS?

Seit Dezember 2003

9. Welche Nebenwirkungen hat Cannabis auf Sie?

Ich würde keinen Joint rauchen, um mich auf einen Test  vorzubereiten oder wenn ich für einen Test  lerne. Es beeinträchtigt bei mir mein Kurzzeitgedächtnis, während die Cannabinoide in meinem Endocannabinoidsystem aktiv sind. Zu viel Konsum macht mich lethargisch und senkt meine Motivation. 

10. Wie viel Cannabis, welche Arten konsumieren Sie täglich?

Ich benutze den Blütenanteil der Pflanzen. Ich würde sagen, ich kann bis zu zwei, drei Gramm täglich konsumieren.

11. Welche Form des Konsums bevorzugen Sie?

Pur-Joints, Verdampfer, saubere Bongs / Wasserpfeifen, im Grunde genommen rauchend, da die Wirkstoffe so schnell in meinen Blutkreislauf gelangen und ich die Dosierung gut kontrollieren kann.

12. Hat Cannabis Ihr Leben verändert?

Ja, es ist viel gesünder als die Verwendung anderer Medikamente, Drogen oder Alkohol  zur Behandlung von Symptomen der PTBS. Es gibt keinen Kater-Effekt oder Nebenwirkungen auf meinen Körper, wie bei Alkohol am nächsten Tag.

Professor Hill und das beliebteste Unkraut der Welt

Prof. Dr. Hill ist Suchtmediziner, Direktor der Abteilung für Suchtpsychiatrie am Beth Israel Deaconess Medical Center sowie Assistenzprofessor für Psychiatrie an der Harvard Medical School und Autor des 2015 in den USA erschienenen Buchs Marijuana: Die unvoreingenommene Wahrheit über das beliebteste Unkraut der Welt (The Unbiased Truth about the World’s Most Popular Weed  Hazelden, März 2015). Dr. Hills klinische Forschung konzentriert sich in erster Linie auf Medikamente und Verhaltensinterventionen, um Menschen zu helfen, die unter ihrem  Marijuanakonsum leiden und diesen beenden wollen. Dr. Hill erhielt von der NIDA (National Institute on Drug Abuse) den Auftrag und auch Geldmittel, um die Wirksamkeit einer synthetischen Marihuana-ähnlichen Verbindung, Nabilon (Marinol, synthetisches ∆-9THC), als potenzielle medikamentöse Behandlung für Patienten mit „Marihuana-Sucht“ zu testen. Diese Forschungsarbeit  wurde von NIDA, den Brain and Behavior Research Foundations der American Lung Association, dem Greater Boston Council on Alcoholism und der Peter G. Dodge Foundation finanziert. Er erhielt für seine Arbeit mehrere Auszeichnungen und veröffentlichte viele Arbeiten zu zahlreichen Suchtthemen. Dr. Hill betreut weiterhin Patienten in seiner Privatpraxis und berät die Boston Red Sox, die National Football League und die National Basketball Association. Sein Buch über Marijuana wurde in Fachkreisen sehr gelobt, Mitch Earleywine, Professor und Direktor für klinische Ausbildung an der University Albany,  Vorsitzender des Vorstands der NORML (National Organization for the Reform of Marijuana Laws), nennt es eine große Bereicherung, da es eine Lücke an Informationen über Hanf schließe und dazu beitrage, neue, wichtige Ansichten im Umgang mit dieser Pflanze zu ermöglichen. Hierzu gehört auch die Therapie von PTBS mit Hilfe von Cannabisblüten.

PTBS erhöht das Suchtpotential

Prof. Dr. Hill hat in seinen Studien festgestellt, dass viele Menschen, die an PTBS leiden, zu Selbstmedikation mit Hilfe von berauschenden Substanzen wie Alkohol, Nikotin , Kokain, Opiaten und auch Cannabis neigen. Hier ist klar ein personenübergreifendes Muster bei den  Erkrankten zu erkennen, egal aus welchem sozialen Umfeld die betroffene Person stammt. In einer Studie mit 615 deutschen Soldaten, die im Kosovo oder in Afghanistan im Einsatz waren und seitdem unter PTBS leiden ( https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3446197/ ) wurden die unterschiedlichsten Symptome und Auswirkungen erfasst; diese decken sich mit den Erfahrungen und Beobachtungen von anderen Wissenschaftlern, die sich ebenfalls mit diesem Thema beschäftigen: Der Krieg ist im Kopf der Betroffenen geblieben – und die Angst auch.

Interview mit Prof. Dr. Hill:

Sehr geehrter Herr  Prof. Dr. Hill,

vielen Dank für Ihre Zeit, anbei die Fragen für meinen Artikel zu Cannabis und posttraumatischen Belastungsstörungen.

1. Sie haben 2015 das Buch Marijuana: Die unvoreingenommene Wahrheit über das beliebteste Unkraut der Welt veröffentlicht und damit vielen Menschen eine neue Sichtweise auf die Cannabispflanze und deren Konsum ermöglicht. Was war Ihr Antrieb dies zu tun? Wollten Sie Eltern eine Möglichkeit geben, sich mit Ihren Kindern realistisch über die Drogenpflanze Hanf zu unterhalten?

Ich arbeite seit über einem Jahrzehnt mit Patienten mit Substanzkonsumstörungen.  Während dieser Zeit habe ich einige kleine klinische Studien durchgeführt, die darauf abzielten, Medikamente für Patienten mit Cannabiskonsumstörungen zu entwickeln.  Infolgedessen begannen Gesundheitsexperten und Gemeinschaften, mich zu fragen, ob ich über cannabisbezogene Themen sprechen möchte, da Staaten und Länder eine Änderung ihrer Cannabispolitik in Betracht ziehen.  Damals wurde mir klar, dass es eine große Lücke zwischen der öffentlichen Wahrnehmung und der Wissenschaft gibt.  Gerade für junge Menschen nutzten viele Schulen „Angsttaktiken“ erfolglos, um über Cannabis aufzuklären.  Oftmals haben diejenigen, die „Angsttaktiken“ anwenden, nie wirklich mit Patienten gearbeitet.  Meine klinische Erfahrung hat mich gelehrt, dass ein vernünftiger, Evidenz-basierter Ansatz am besten funktioniert, und ich habe versucht, einen solchen Ansatz in dem Buch zu verfolgen.

2.  Menschen, die in Kriegen extremen Situationen ausgesetzt sind, ob nun Zivilisten oder Soldaten, leiden oft danach unter posttraumatischen Belastungsstörungen. Hat die PTSD zur Folge, dass diese betroffenen Menschen  Linderung in Rauschzuständen suchen, weswegen viele dieser Menschen  z.B. Tabak, Alkohol, Schmerzmittel, Opiate und Cannabis konsumieren und davon psychisch oder physisch abhängig werden (Polytoxikomanie)? Ist dies richtig und wie bewerten Sie in diesem Zusammenhang die Therapie mit Cannabis?

Menschen mit PTBS leiden sehr stark und wenden sich oft an Substanzen zur Linderung.  Viele berichten, dass Cannabis ihnen hilft, daher ist es ermutigend, dass derzeit Forschungen durchgeführt werden, um die Auswirkungen von Cannabis und Cannabinoiden auf die Symptome der PTBS zu ermitteln.

3. Marijuana kann und wird als Therapeutikum bei posttraumatischen Belastungsstörungen angewandt, in den USA gibt es laut Michael Kravitz vom Verband  Veteranen für den medizinischen Cannabis-Zugang [VMCA] sehr viele Betroffene, die ihr Leid mit dem Konsum von medizinischem Cannabis lindern. Welche Möglichkeiten gibt es hier, Cannabis so einzusetzen, dass eine Linderung der Symptome einsetzt und bestehen bleibt?

Forscher wie Dr. Sue Sisley führen klinische Studien durch, um die Auswirkungen von Cannabis auf die PTBS konsequent zu dokumentieren.  Studien wie diese können zeigen, dass Cannabis oder Cannabinoide wie Cannabidiol eine wirksame Pharmakotherapie für PTBS darstellen.  Wenn sie es tun, dann werden die Patienten wahrscheinlich Cannabis oder Cannabinoide einsetzen, um diese Symptome zu lindern.  In diesem Stadium sind die positiven Auswirkungen von Cannabis auf die Symptome der PTBS jedoch weitgehend anekdotisch, obwohl es eine Beobachtungsstudie von Greer et al. gibt, die die positiven Auswirkungen von Cannabis auf die Symptome der PTBS zeigt.

4. In Deutschland hat es nach dem 1. und 2. Weltkrieg sehr viele Opfer in der Zivilbevölkerung und bei der Wehrmacht gegeben, die extremen Situationen ausgesetzt waren und somit unter einer posttraumatischen Störungen gelitten haben/leiden, wie heute Menschen aus z.B. Syrien, dem Jemen oder Afghanistan. Können Sie sich vorstellen, dass man diesen betroffenen Menschen  mit einer dementsprechenden begleiteten Cannabis-Therapie Linderung verschaffen könnte?

Möglicherweise.  Deshalb sind streng gestaltete randomisierte klinische Studien (RCTs) so wichtig.  Wenn RCTs die Wirksamkeit der Cannabis-Pharmakotherapie bei PTBS belegen, würde dies den Weg für eine breitere Anwendung dieser Behandlung ebnen.

5. Es gibt bereits Therapieansätze und Erfolge mit Cannabistherapien bei anderen psychischen Erkrankungen, wie Angstzuständen und Depressionen, die auch im Rahmen von Posttraumatischen Belastungsstörungen auftreten können. Da die Kosten für Cannabiskraut um ein vielfaches geringer sind, als die Behandlung mit den synthetischen Cannabis-Präparaten, würde sich eine Therapie mit standardisiertem Cannabiskraut anbieten, da hier auch die Nebenwirkungen absehbar wären. Haben Sie hierzu schon Erfahrungen machen können und wenn ja, wie waren Ihre Erfolge dabei?

Da ich hier in den Vereinigten Staaten nicht im Krankenkassensystem bin, habe ich keine Patienten mit PTBS mit Cannabis oder Cannabinoiden behandelt.

Cannabis nimmt die Angst

Eine Studie, die schon 2012 veröffentlicht wurde, https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22736575 zeigt uns deutlich, wie Menschen, die an PTBS leiden, mit Cannabisextrakten oder Cannabisblüten geholfen werden kann. Egal wie stark ausgeprägt die Symptome waren, mit der Einnahme von Cannabis konnten diese gelindert oder sogar geheilt werden. Auch bei Opfern des Dritten Reichs, die bereits seit 25 Jahren in israelischen Altersheimen mit Cannabis behandelt werden, hat das natürliche Heilkraut den Geist befriedet und den  Holocaust aus dem Kopf genommen.  https://www.berliner-zeitung.de/gesundheit/-israel-cannabis-forschung-marihuana-im-altenheim-6717424

Deutschland braucht Cannabis

In Deutschland hat dieser Krieg stattgefunden, in Deutschland wurden die Gräueltaten erdacht und vollbracht, wäre es nicht langsam an der Zeit, auch dem Volk der Täter eine Möglichkeit der Linderung zu geben? Was für Holocaust-Überlebende und US-Soldaten Linderung ihrer Leiden darstellt, kann auch in Deutschland nicht schaden, ganz im Gegenteil, wenn man die alkoholisierten Massen und die Alkoholmengen, die in unserem Land verköstigt werden, betrachtet: 11,4 Liter reiner Alkohol stellen für alle Bewohner von 0-99 eine krasse medizinische und gesellschaftliche Bedrohung dar. Schädigungen von Neugeborenen durch mütterlichen Alkoholkonsum während der Schwangerschaft sind in den letzten Jahren empfindlich angestiegen. http://www.dhs.de/fileadmin/user_upload/pdf/Factsheets/Alkohol_in_der_Schwangerschaft.pdf Wenn man dann noch einen Blick in die Bahnhöfe, Fußgängerzonen oder Weihnachtsmärkte der Bundesrepublik wirft und sieht, was Bier und Schnaps anrichten können, weiß man: Deutschland hat ein Rauschgiftproblem und das heißt Ethanol-Konsum bzw. Alkoholismus. https://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2018-05/who-alkoholkonsum-deutschland-hoch-europa-vergleich-studie

Muss also Alkohol strenger reglementiert werden? Wir wissen aus der Geschichte, dass (Alkohol-) Prohibition nicht funktioniert. Wäre es da nicht sinnvoller, alte Verbotsstrukturen zu überdenken und in Deutschland endlich gesunde Alternativen zum Alkoholkonsum zu etablieren? Mit Cannabis könnte vielen Menschen eine Möglichkeit gegeben werden, ihren Alkoholkonsum auf das von der WHO empfohlene Maß von maximal zweimal 600 ml Bier pro Woche zu reduzieren. Bei oralem Gebrauch in Form von Getränken oder Speisen hat Hanf bzw. Cannabis nur positive, heilende Eigenschaften, keine negativen Nebenwirkungen, und ist laut einer Studie von Toni Bücher 5000mal weniger suchtgefährdend als Alkohol. Aufgrund seiner angstlösenden und antidepressiven Eigenschaften ist Cannabis eine optimale, natürliche Therapie-Alternative, die auch zum Zwecke einer Selbstmedikation ohne Hürden erhältlich sein sollte. In Indien und Bangladesch wird seit Jahrtausenden von sehr vielen Menschen Bang-Butter als Grundnahrungsmittel verwendet. Kleinkinder und Schwangere essen dieses THC-und CBD-haltige Lebensmittel täglich. Berber in Marokko verwenden Hanf-Kiff, um daraus mit Honig eine heilsame Naturmedizin herzustellen, die auch bei Kindern und Schwangeren Anwendung findet. Sogar von den preußischen Offizieren der Kaiserzeit wurde Hanfkraut in kleinen silbernen Knasterpfeifchen gut und gerne geraucht, weil es, frei nach Wilhelm Busch, „der Seel` a Ruh` gibt“ und, wie wir nun ja wissen, posttraumatische Belastungsstörungen lindert bzw. heilt.

Aus der Vergangenheit lernen

Vor dem Hintergrund, dass in Deutschland seit 500 Jahren immer wieder Menschen durch Kriege in Extremsituationen gebracht wurden und zwei dieser Ereignisse erst circa 70 und 100 Jahre zurückliegen, sollten wir uns bewusst machen, dass wir aufgrund unserer Prägung eine Urangst vor Flucht, Krieg und Gewalt seit Generationen sogar genetisch an unsere Kinder weiter geben, nicht „nur“, wie zum Beispiel von Ingrid Müller-Münsch in ihrem Buch Die geprügelte Generation beschrieben, durch krankhaftes, gewalttätiges Verhalten in Familie und Gesellschaft. Dieses krankhafte Verhalten ist eine Bürde, die der „fromme Deutsche“ als moralischen Kompass seit der Reformation und dem Dreißigjährigen Krieg mit sich herum trägt und als Psychose an seine Kinder weiter gibt. Gleiches gilt für Engländer, Franzosen, Spanier, Russen und Österreicher, usw. Aktuell erleben wir durch die Flüchtlinge, die aus Krisen-und Kriegsgebieten zu uns kommen, dass diese Spirale der Angst noch nicht beendet wurde und deutlich weitere Kreise zieht.

Der vierte Reiter

Kinder und Erwachsene verarbeiten extreme Erlebnisse unterbewusst und können dadurch in ihrer Entwicklung und dem späteren Leben massive gesundheitliche Problem erleiden, die dann weiter vererbt werden können. Die Autoren Michael Schneider und Joachim Süss haben in Nebelkinder – Kriegsenkel treten aus dem Traumaschatten der Geschichte in vielen Fallbeispielen gezeigt, wie tief verwurzelt diese Störungen in uns weiter leben und wie uns der vierte apokalyptische Reiter immer noch quält und im Griff hat. Wir könnten uns diesem Griff endlich und nachhaltig entwinden, wenn unsere politischen Entscheidungsträger sich dazu durchringen könnten, ein Kraut zu re-legalisieren, das den Menschen die Heilung und Befriedung geben kann, die sie benötigen – denn mit Alkohol, Barbituraten und Opiaten geht es nicht, das zeigen uns die letzten 100 Jahre der Hanf-Prohibition. Wir sollten dem vierten Reiter endlich das geben, was er schon so lange sucht: Peace!

Der lange Weg zur Wahrheit oder warum die WHO die UN auffordert, die Single Convention von 1961 zu ändern und was das für die Hanfkonsumenten und Patienten bedeutet.

Der Weg ist bekanntlich das Ziel. Ob die Akteure der WHO diese alte buddhistische Weisheit im Sinn hatten, als sie sich endlich entschieden, den Irrweg der Cannabis-Prohibition zu verlassen, um das zu tun, was sie sich 1986 in Ottawa auf die Fahnen geschrieben haben – die Rettung der Erde?

Gehen wir etwa 99 Jahre zurück, um dies etwas genauer zu erklären. Im Jahr 1919 wurde der Friedensvertrag von Versailles beschlossen und unterzeichnet. Unter dem Eindruck des menschenfressenden Stahlgewitters und der Gräueltaten des Stellungskrieges des Ersten Weltkriegs versammelten sich die Sieger und Verlierer, um endlich eine neue friedliche Ordnung für alle Völker zu schaffen. Vor dem Krieg, am 9. Februar 1909, war in Shanghai die Internationale Opiumkommission gegründet worden. Da die Briten seit den 1820er Jahren den Opiumhandel mit China massiv vorantrieben, um die im chinesischen Volk gewachsenen Sozial- und Handelsstrukturen zu zerstören, wurde von den interessierten Handelsgesellschaften und Gruppen zwischen 1839 und 1860 in zwei Opiumkriege investiert. Über diese Wirtschaftskriege wurde letztlich die Legalisierung des Opiums in China erzwungen. Aufgrund des dadurch auch international florierenden Welthandels mit Opium, tauchten dann um 1900 in den rasch wachsenden Städten der westlichen Welt erstmals Drogenkonsumenten auf. Der in der westlichen, „weißen“ Welt aufkommende Rassismus und die Eugenik hatten zur Folge, dass nun bestimmte Konsumentengruppen stigmatisiert bzw. als soziales Problem betrachtet wurden: So in den USA nicht etwa Opiatabhängige aus der Oberschicht, die sich Heroin in der Apotheke als Lifestyle-Droge kauften, sondern Opium rauchende chinesische Migranten und urbane Jugendgruppen, die unter anderem ebenfalls Heroin konsumierten. Unter dem Eindruck der Folgen des in China in Massen konsumierten Opiums und der Angst vor einem expandierenden Drogenkonsum in der eigenen Gesellschaft, formierte sich in den USA, Großbritannien und anderen europäischen Ländern im ausgehenden 19. Jahrhundert eine christlich-rassistische Anti-Rausch-Bewegung, die auf ein globales Verbot von Alkohol, Opium, Kokain und Heroin hinarbeitete.

Vor diesem Hintergrund fand am 19. Februar 1925 in Genf die 2. Internationale Opiumkonferenz statt, bei der, auch durch Bestrebung der USA und Ägyptens, Cannabis mit in die Reihe der zu verbietenden Stoffe aufgenommen wurde. Warum wurden damals nicht auch Alkohol und Tabak verboten und stigmatisiert? Aus dem einfachen Grund: Die Mitglieder der Kommission tranken und rauchten selber sehr gerne, was man anhand der Bewirtungsliste von Hennessey und Moët&Chandon sehr gut nachvollziehen kann. Hinzu kam, dass die Tabakplantagenbesitzer in Virginia und anderen US-Staaten, denen der immer populärer werdende Cannabiskonsum Marktanteile streitig machte, gewaltigen Einfluss auf den US-Kongress nahmen. Ähnlich die Lage in Ägypten, wo Probleme mit „Rebellen“ bestanden, die für das Rauchen von Hanf keine Steuern zahlen wollten. Die gleiche Situation herrschte in allen europäischen Ländern, denn der Arme-Leute-Tabak, „Knaster“ oder „Starker Tobak“ genannt, war nichts anderes als Cannabis, welches seit Jahrhunderten steuerfrei im Garten angebaut und geraucht wurde.

Die Beschlüsse dieser 2. Opiumkonferenz hatten zur Folge, dass Cannabis international geächtet wurde und die USA und Ägypten mit dem Privileg versehen wurden, als einzige Länder Tabak nach Deutschland exportieren zu dürfen. Bis heute bekommt man bei uns in Deutschland nur legal versteuerten Shisha- oder Hookatabak aus Ägypten. Dies ist die eine Seite der Medaille. Und die andere? Diese andere Seite können wir erst jetzt, fast 100 Jahre später, begutachten und erkennen: Das Cannabisverbot hat den Aufstieg von Kunstfasern und petrochemischen Produkten ermöglicht, welcher, vermeintlich alternativlos, ungebremst in das heutige Szenario von Mikroplastik verseuchten Meeren, vergiftetem Grundwasser und Treibhauseffekt geführt hat. Durch das Cannabisverbot der letzten 100 Jahre war es unmöglich, an dieser Pflanze Forschungen durchzuführen. Vor dem Verbot wurde der erste Kunststoff Bakelit aus Hanfölestern und Hanffasern hergestellt, Henry Ford hatte sogar ein Auto mit Hanf-Karosserie entwickelt. Mit Hanf ist es möglich, 80 Prozent aller Erdölprodukte ökologisch und klimaneutral herzustellen.

40.ECDD Conference Passport.jpeg

Hat also das Hanfverbot der letzten 100 Jahre mit Schuld an der Klimakatastrophe, in der wir uns befinden? Wenn man sich bewusst macht, dass Hanf auf derselben Fläche viermal mehr Biomasse in einem Jahr erzeugt, als ein vergleichbares Waldstück und dabei auch noch CO2 bindet, kann man sich schon vorstellen, dass wir mit Hanf das Klima und unseren Planeten retten könnten. Dieser Meinung folgt auch die WHO, wobei wir wieder bei diesem langen Weg wären, den wir zusammen mit den Entscheidungsträgern gehen mussten und weiter gehen müssen. Ich hatte die große Ehre, bei der 40. ECDD Konferenz (Opiumkonferenz) in Genf als einziger deutscher Drogenexperte geladen zu sein und dazu beitragen zu dürfen, dass endlich, nach 99 Jahren der Unwahrheiten und Lügen über Hanf, diese Pflanze wieder in das richtige Licht gesetzt wird. Die Einreichungen der internationalen Experten wurden von der zwölfköpfigen Expertenkommission zusammengefasst und ausgewertet. Die Ergebnisse dieser Auswertung hat Dr. Tedros Adhanom Ghebreyesus, Generaldirektor der WHO, in einem sechsseitigen Brief an den Generalsekretär der UN, Antonio Guterres, übermittelt. Die drei wichtigsten Aussagen zur Gefährlichkeit von Cannabis beziehen sich auf dessen Toxizität, die Suchtgefährdung und die Gefahr, durch den Konsum eine Psychose (seelische Krankheit) zu erleiden. Was am Anfang des Weges über Hanf behauptet wurde, wird nun als große Lüge entlarvt.

Beginnen wir bei der Toxizität von Hanf und Tetrahydrocannabinol (THC). Laut der Erkenntnisse der WHO liegt die tödliche Dosis von reinem (−)-trans-Δ⁹-Tetrahydrocannabinol bei 4 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht. Dies bedeutet, dass bei einem erwachsenen Menschen mit 70 Kilogramm Körpergewicht 280 Gramm reines THC auf einmal in die Blutbahn gelangen müssten, um tödlich wirksam sein zu können. Dies ist theoretisch und praktisch nicht möglich. Ein einfaches Rechenbespiel: Laut BKA sind auf dem deutschen Schwarzmarkt Cannabissorten im Umlauf, die durchschnittlich bis zu 13 Prozent THC-Gehalt haben. Da dies der theoretische Wert des BKA ist und es sich einfacher rechnen lässt, gehen wir von 10 Prozent THC Gehalt aus. Ein Kilogramm dieses Cannabis hätte einen Wirkstoffgehalt von 100 Gramm; es wären also 2,8 Kilogramm Cannabis nötig, um einen 70 Kilogramm schweren Menschen töten zu können – falls dieser es schafft, das THC auf einmal in seine Blutbahn zu bekommen. Wenn man 2,8 Kilogramm des bei uns legal erhältlichen Birkenlaubs verbrennen und einatmen würde, wären die Folgen der Rauchgasvergiftung mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit tödlich.

Bei der von deutschen Politikern gerne verbreiteten Gefahr, durch Konsum von Cannabis eine Psychose zu erleiden, sieht es nicht anders aus. Hierzu wurde behauptet und auch durch Studien belegt, dass Cannabis psychotische Effekte bei 3,5 Prozent der Probandengruppe hervorruft. Das kann sein, zumal viele Cannabiskonsumenten bereits bestehende Psychosen im Sinne einer Selbstmedikation mit Cannabis behandeln und es bei der Kontrollgruppe der Nichtkonsumenten immerhin 5,8 – 6 Prozent waren, die eine Psychose erlitten, laut WHO ein ganz normales Verhältnis in Bezug auf die Gesamtbevölkerung. Ein wichtiger Punkt ist auch die Erkenntnis der WHO, dass überhaupt erst durch die Strafverfolgung und den permanenten Verfolgungsdruck durch die Behörden psychotisch-paranoide oder Angstzustände bei den Cannabiskonsumenten erzeugt werden und dies von bestimmten Regierungen verwendet wird, um politisch nicht erwünschte Menschengruppen auszugrenzen, zu maßregeln oder strafrechtlich zu belangen. Dies sind nur ein paar der wichtigsten Punkte – Meilensteine auf dem Weg der Re-Legalisierung von Hanf, aber doch nur ein Anfang, der ermöglicht, weitere Schritte im Umgang mit Hanf und seinen Konsumenten human und ökologisch zu gehen.

Was bedeutet das für die Zukunft? Wir sehen im internationalen Vergleich, dass sich die Regierung in Deutschland immer noch sehr schwer tut mit der Re-Legalisierung. Das liegt an alten Denkmustern, aber genauso an der Lobbyarbeit bestimmter Interessengruppen, die seit den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts versuchen, Cannabis als Teufelszeug abzutun. Viel war über die Heilwirkung von Cannabis bekannt, bis zum Verbot hatten 75 Prozent aller Medikamente, die in Deutschland in Apotheken angeboten wurden, einen Cannabis-Anteil oder bestanden ganz daraus. Unser gut funktionierendes Gesundheitswesen ist auch ein gigantischer Markt, um den massiv und mit allen Mitteln gekämpft wurde und wird. Da hat eine Heilpflanze, die sich unkompliziert im Garten anbauen lässt, von Haus aus keinen guten Stand. Unser Arzneimittelgesetz wurde durch erfolgreiche Lobbyarbeit so beeinflusst, dass Teedrogen und Heilpflanzen daraus entnommen wurden. Es sind nur Einzelstoffe und Stoffgruppen für die medizinische Versorgung von Kranken praktikabel und nötig, so die Suggestion der Verantwortlichen. Ein Arzt kann Kamillentee empfehlen, aber nicht verschreiben und die Krankenkassen übernehmen die minimalen Behandlungskosten nicht, trotz bewiesener Wirkung. Vor diesem Hintergrund war es natürlich ein wundervoller Zufall für die petrochemische Pharmaindustrie, dass Cannabis 1961 durch die Single Convention auch als Medikament verboten wurde. Der deutsche Gesetzgeber benötigte noch bis 1971, um das Opiumgesetz, aus dem später unser Betäubungsmittelgesetz (BtMG) wurde, an die Forderungen der Interessensgruppen anzupassen. Die Nazis des Dritten Reichs hatten das Opiumgesetz, wie viele andere Rassisten mit Ihnen, dazu verwendet, nicht erwünschte Menschengruppen und „asoziale Rauschgiftabhängige“ von der Bildfläche verschwinden zulassen. Wie viele Drogenkonsumenten Opfer dieser Säuberungen geworden sind, ist nirgends bekannt und ist ein weiterer Stein der Schuld. Dieser ideologisch-rassistische Teil der Cannabisprohibition wird von Dr. Tilmann Holzer in seinem Werk „Die Geburt der Drogenpolitik aus dem Geist der Rassenhygiene“ aufgearbeitet und beschrieben. Gerade in unserer heutigen Zeit, in der die menschenverachtende Ideologie der Nationalsozialisten wieder en vogue zu werden scheint, sollten sich unsere politischen Entscheidungsträger langsam aber sicher aus der Komfortzone ihres Elfenbeinturms herauswagen, um endlich wieder am aktuellen Zeitgeschehen teil zu haben, um endlich die von vielen Menschen lange erwartete Bewusstseinserweiterung zu erfahren, um endlich zu erkennen, dass man eine Pflanze nicht ungestraft verbieten kann.

Quellen:

  • Dr. Tilmann Holzer: Die Geburt der Drogenpolitik aus dem Geist der Rassenhygiene
  • Hans-Christian Dany: Speed. Eine Gesellschaft auf Droge
  • Jack Herer / Mathias Böckers: Die Wiederentdeckung der Nutzpflanze Hanf
  • www.WHO. int 

Christoph Roßner vor dem Eingang zum Hauptquatier der WHO in Genf

Mit offenen Karten

Es war einmal. Diese Worte haben wir als Kinder geliebt, denn damit begann ein Märchen und die Eltern gaben uns das, was Kinder am meisten brauchen: Volle Aufmerksamkeit. Wenn aber Erwachsene beginnen, wider besseres Wissen, Märchen als Tatsachen hinzustellen, ist das kriminell, vor allem dann, wenn dabei Milliarden als Gewinn abgeräumt werden und der Leidensdruck kranker Menschen aus Profitgier ignoriert wird. Bei solchen Spielchen sind „offene Karten“ sehr hinderlich und erschweren ein taktisches Spiel.

Das Märchen vom bösen Hanf begann vor über 100 Jahren und wurde am 20. März 2019, um 15 Uhr 30, im Gesundheitsausschuss des Deutschen Bundestags erneut von Interessensvertretern verschiedener Organisationen und Verbände, zum gefühlt tausendsten Mal, wieder und wieder erzählt. Es wurde, wie jedes Mal, bestätigt, was bereits bekannt ist. Es bestehen chronische Lieferengpässe und die Patienten sind von uninformierten Ärzten umgeben, die sich auf Grund von unsachlichen Informationen, seitens des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK), der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA), der Bundesärztekammer und der ablehnenden Haltung der Bundesopiumstelle, die durch Prof. Dr. Crämer-Schäffer vertreten wird, nicht trauen, leidenden Patienten Cannabisblüten zu verschreiben. Bis dato wurde das Unvermögen, Cannabis in angemessener Menge anzubauen, zu importieren oder zu exportieren, durch die Bundesregierung damit begründet, dass aufgrund der internationalen Gesetzlage die Möglichkeiten stark eingeschränkt seien und die Verantwortung für diese Situation beim INCB (International Narcotics Control Board) und den UN (Vereinten Nationen), zusammen mit der WHO (Weltgesundheitsorganisation), läge. Ein von der Bundesregierung befragter Experte, vormals Leiter des INCB, erklärte sehr ausführlich, dass die Bundesregierung die Anbaumengen, sowie die Import- und Exportmengen, selbst festlegen kann – ob sie nun beispielsweise zwei oder fünfzigtausend Tonnen anstrebe, läge dabei ganz bei der Bundesregierung. Auch Import und Export müssten lediglich durch die bundeseigene Cannabisagentur bei der INCB gemeldet werden; einem Handel von Cannabis stünde nichts im Wege, wenn sowohl das Sender-, als auch das Empfängerland eine Cannabisagentur hätten. Dies alles wurde von den zuständigen Stellen im Gesundheitsministerium und von der Bundesopiumstelle beflissentlich ignoriert. Vor diesem Hintergrund war die Sitzung im Bundesgesundheitsausschuss ausgesprochen aufschlussreich, denn es wurde offensichtlich, dass die zuständigen Behörden sehr daran interessiert sind, den medizinischen Konsum von Cannabisblüten zu verhindern.

Aber warum sind hier zu Lande gewisse wirtschaftliche und politische Interessensvertreter daran interessiert Cannabis zu verbieten? Gäbe es doch einfache Möglichkeiten, das Kraut zu re-legalisieren, wie wir sie zum Beispiel in Kanada vorfinden, wo die sehr wirksamen und nebenwirkungsarmen Teedrogen mit einem eigenen Gesetz wieder durch Krankenkassen erstattungsfähig werden. Genau dies hat die Pharmalobby in den 70er Jahren des vorherigen Jahrhunderts, durch das Einführen des Betäubungsmittelgesetzes und des Arzneimittelgesetzes, in Deutschland verhindert, beziehungsweise zurückgebaut, da so die wirksamen Teedrogen, wie z.B. Kamille, Salbei, Pfefferminze und auch Cannabis von der Krankenkasse nicht mehr bezahlt wurden. Das ist auch der Grund, warum die Pharmalobbyverbände, Landesregierungen, sowie das INCB so eine Heidenangst vor der Cannabislegalisierung haben. Legale Teedrogen, wie zum Beispiel Cannabis, Coca, Ephidrea, Kath oder auch Kratom sind hochwirksame und ökologische Konkurrenten der hochgiftigen und umweltverschmutzenden petrochemischen Substanzen, also der Erdölprodukte.

Wobei wir nun bei der Wahrheit hinter dem bösen Märchen vom Hanf wären, nämlich, dass es bei der ganzen Cannabisdebatte den Gegnern des Krautes nicht um Gesundheits- und Jugendschutz geht, sondern nur darum, einen alten, unökologischen Wirtschaftszweig gegen einen neuen, frischen, schnellwachsenden Trieb mit Hilfe von unfairen Mitteln zu verteidigen. Die gleichen, bezüglich der Anwendung von Cannabis ach so besorgten Vertreter von MDK, ABDA und Bundesgesundheitsministerium rechtfertigen den Einsatz von zum Beispiel Ritalin bei Kindern, obwohl bekannt ist, dass Patienten Persönlichkeitsveränderungen, Selbsttötungsgedanken und Herzinfarkte erleiden können durch das Medikament, das auch als illegale Droge Speed Verwendung findet. Quelle: https://www.novartis.de/system/files/product-info/057063_GI_Ritalin_3.pdf

Gerade der Umgang des Gesetzgebers und der Ärzteschaft mit Ritalin und die parallel bestehende Situation der Cannabispatienten zeigt ganz deutlich, wie in unserem Land ideologische und wirtschaftliche Interessensgruppen mehr Rechte bekommen als andere – das ist mehr als schädlich für unsere Demokratie und unseren Wirtschaftsstandort. Auch Herr Dr. med. Grotenhermen (http://www.cannabis-med.org/german/acm-mitteilungen/ww_de_db_cannabis_artikel.php?id=283#2), der als Fachmann geladen war, wundert sich, warum die Drogenbeauftragten der Parteien und der Regierung sich um Cannabis als Medizin kümmern müssen, Opiate oder Ritalin jedoch nicht in ihrem Entscheidungsbereich liegen, dafür aber als Medikamente voll anerkannt sind und auch als solche behandelt werden. Dies liegt wie eingangs schon erwähnt an der Weigerung unserer Bundesregierung, ein Drogenpflanzengesetz zu implementieren, was aber mehr als nötig wäre, da endlich Tatsachen geschaffen werden müssen, die unserer Gesellschaft zuträglich sind. http://www.rossner-consulting.de/Veroeffentlichungen/

Unsere Kinder haben eine neue gute Perspektive für ihre Zukunft, wenn wir es endlich schaffen, den Bann, der auf den Heilpflanzen und Naturdrogen liegt, zu brechen. Die Eiskönigin Frau Merkel und ihr Team sollten sich endlich von ihrer antiquarischen und weinseeligen Sichtweise trennen und unserer Jugend den Schutz und die Sicherung ihrer Zukunft ermöglichen. Und das ist nur mit Pflanzen wie Hanf als Energie-, Genuss- und Heilpflanze möglich.